868
Gründung des Damenstiftes
871
Kaiser Ludwig der Deutsche stellt das Stift unter die Schirmherrschaft des Reiches (Umbenennung in „Kaiserliches Freiweltliches Hochadeliges Damenstift Heerse“)
1599
Errichtung des Abteigebäudes, des heutigen Wasserschlosses
1810
Aufhebung
1989
Erwerb des Wasserschloss Neuenheerse durch Konsul Manfred O. Schröder
seit 1993
ist das Wasserschloss Heerse mit Führung zugänglich.
2007
wurde aus der Privatinitiative zum Museum eine Stiftung, die von einem Förderverein unterstützt wird.
Der Name der Einrichtung verweist auf zwei Besonderheiten: Das im Jahre 868 vom Paderborner Bischof Luithard und seiner Schwester Walburga gegründete Kanonissenstift stand nur adeligen Frauen offen, und anders als herkömmliche Klöster, die im Idealfall ein streng geregeltes Leben in Askese und Abgeschiedenheit vorsahen, gewährte das Stift einige Freiheiten. Die Kanonissen durften reisen und Geselligkeit pflegen, mussten keine Gelübde ablegen und konnten die Einrichtung wieder verlassen, um zu heiraten – lediglich die Äbtissin gelobte Ehelosigkeit.
Die älteste Kirche entstand um 880 und wurde zuerst der Mutter Gottes Maria geweiht. Die Kirche enthält noch heute viele Reliquien, unter denen die Gebeine der heiligen Saturnina, im Jahr 887 übertragen von Sains-les-Marquion, die auch Stiftspatronin wurde, die wichtigsten sind. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert, als Säulenbasilika ist er eine Besonderheit. Das Mittelschiff jedoch und das südliche Schiff wurden in gotischer Zeit zu einer Hallenkirche erhöht, statt Säulen tragen seit damals achteckige Pfeiler das Gewölbe.
Neben der Armen- und Krankenfürsorge widmete man sich vor allem der Ausbildung der Töchter des Adels. Zunächst gemeinsam untergebracht, bezogen die Stiftsdamen später eigene Häuser. Die Äbtissinnen wohnten weiterhin im Abteigebäude, das von 1599 bis 1603 zu einer schlossähnlichen Zweiflügelanlage im Renaissancestil ausgebaut und später noch mehrfach verändert wurde – das historisierende Fachwerk des Obergeschosses stammt beispielsweise aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das von einer Gräfte umgebene Wasserschloss, heute Privatbesitz, beherbergt ein Museum, das neben einer heimatkundlichen Abteilung umfangreiche völker- und naturkundliche Sammlungen präsentiert.
Als architektonische Besonderheit gilt die ehemalige Stiftskirche, deren Ursprung sich bis ins 9. Jahrhundert nachweisen lässt. Ihr nördliches Seitenschiff ist der westfalenweit einzigartige Rest einer um 1100 errichteten frühromanischen Säulenbasilika. Durch eine Erhöhung des südlichen Seitenschiffes bekam das Gebäude um 1350 den Charakter einer spätgotischen Hallenkirche, die Inneneinrichtung stammt im Wesentlichen aus der Barockzeit.
Text mit freundlicher Genehmigung der Klosterregion Kulturland Kreis Höxter (www.klosterregion.de) sowie von WIKIPEDIA.