1462 beschloss der lippische Landesherr Bernhard VII. den Bau einer Kirche an der Stelle eines angeblich wundertätigen Brunnens in Blomberg. 1468 berief er Augustiner-Chorherren nach Blomberg, die dort das Kloster „Zum Heiligen Leichnam“ gründeten und die seelsorgerische Betreuung der Pilger übernahmen. Das Kloster wurde im Zuge der Reformation aufgelöst. Dies Klosterkirche dient heute als Pfarrkirche der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Blomberg.

Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Blomberg
32825 Blomberg
Im Seligen Winkel 12
Tel.: (0 52 35) 74 43

www.blombergref.de

Klosterkultur
Gottesdienste evangelisch:
sonntags 11.00 Uhr
Führungen für Gruppen auf Anfrage
Veranstaltungen gelegentlich Konzerte
Besucherprogramme ja
Klostertourismus
Gastronomie in Blomberg
Parkmöglichkeit ja
ÖPNV-Anbindung Bus: Linien 732, 772, 777; Bahn: bis Bahnhof Schieder oder Detmold, dann per Bus
Besichtigung/Eintritt Öffnungszeiten: täglich 8.00 bis 18.00 Uhr
1462 Gründung (Augustinerchorherren)
1468 Edelherr Bernhard VII. zur Lippe beruft Augustinerchorherren nach Blomberg
1485 Fertigestellung der Klosterkirche
1555 Aufhebung
1651 das Kloster kommt als Schenkung an die Stadt Blomberg
1833 die Klosterkirche wird zur evangelisch-reformierten Stadtkirche

Junge Bürgersfrau begeht Hostienfrevel und löst damit ungeahnten Pilgerboom aus – so könnte die Vorgeschichte der Blomberger Klostergründung in Kurzfassung lauten.

Blomberg im Jahr 1460: die junge Alheydaus Pustekoke stielt aus der Kirche „St. Martin“ 45 geweihte Hostien. Ein Leben lang von Unglück und Pech verfolgt, glaubt sie, diesem Unbill durch den Besitz der Hostien entkommen zu können.

In ihrer Angst, dass der Diebstahl bei einer durch die Inquisition angeordneten Haussuchung entdeckt wird, wirft sie die Hostien in einen Brunnen. Dabei wird sie jedoch beobachtet und nach kurzem Gerichtsverfahren wegen Kirchenraubes und Entweihung der Sakramente zum Feuertod verurteilt.

Nicht lange danach erzählt man sich, dass das Wasser des Brunnens, in dem nun der „Heilige Leib des Herrn“ ruhe, Wunden und Gebrechen heile. Der unerwartet große Zulauf von Pilgern, der daraufhin einsetzt, macht Blomberg in den kommenden Jahren zu einem bekannten Wallfahrtsort mit überregionaler Bedeutung.

Edelherr Bernhard VII. zur Lippe lässt 1462 über dem „Wunderbrunnen“ einen Altar errichten. Nicht aus reinem Edelmut, sondern durchaus getrieben von dem Gedanken, seine ausgesprochen kriegerische Lebensweise durch eifriges kirchliches Engagement zu sühnen.

Er versichert sich der Unterstützung durch höchste Kirchenmänner und beginnt mit Erlaubnis Papst Pius II. im gleichen Jahr mit dem Bau der Kirche „Zum Heiligen Leichnam Christi“.

Mehrere Ablassbriefe aus den Jahren 1462 und 1465 lassen die Wallfahrtsstätte weiter aufblühen.1468 beruft Bernhard Augustiner-Chorherren aus dem Kloster Möllenbeck nach Blomberg, die die Anlage – finanziert unter anderem aus den Opfergeldern der Wallfahrer – zu einem Kloster ausbauen. Im Westteil der Klosterkirche, die etwa 1485 fertig gestellt wird, lässt der Landesherr eine Gruft für das Adelsgeschlecht des Lippischen Hauses errichten.

1533 tritt ein großer Teil der Mönche aus dem Kloster aus. Mit dem Voranschreiten der Reformation endete auch Blombergs Bedeutung als Pilgerort, und das Kloster löst sich allmählich ganz auf (1555); die Gebäude dienen als „Fürstenschule“, später als Lateinschule, Armenhaus sowie Pfarrer- und Lehrerwohnung. Das Vermögen des Klosters kommt der Landesregierung zu, das Kloster selbst gelangt 1651 als Schenkung Graf Johann Bernhards an die Stadt Blomberg. Von den Klostergebäuden sind heute nur noch die Kirche und ein Teil eines größeren Baues erhalten, der nach der Reformation für kirchliche und schulische Zwecke genutzt wurde.

Gegenwärtig ist die ehemalige Klosterkirche, die als einer der bedeutendsten spätgotischen Kirchenbauten in Lippe gilt, die Pfarrkirche der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Blomberg.

Quellen:

  • Karl Hengst(Hrsg): Westfälisches Klosterbuch, Seiten 84-88
  • Internetseite der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Blomberg: http://blombergref.de/klkirche.html
  • Geschichte der Kirchen, Pfarren, geistlichen Stiftungen und Geistlichen des Lippischen Landes 1881, Seiten 241 bis 247
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