Bei St. Jodokus konzentriert sich das „katholische Zentrum“ in Bielefeld. Das Kirchengebäude, der Kreuzgang und Anbauten aus verschiedenen Epochen wurden 2010/2011 umfassend umgebaut und aufwendig renoviert. Neben der eigentlichen Kirche sind der Kreuzgang, die Werktagskapelle, der sog. „Consbruch’sche Anbau” und die Versammlungs- und Gruppenräume im ehem. Kloster als eine vorbildliche und gelungen modernisierte kirchliche Präsenz im großstädtischen Umfeld anzusehen. St. Jodokus pflegt ein anspruchsvolles Veranstaltungsprogramm.

Im selben Gebäudekomplex ist das von St. Jodokus unabhängig betriebene „Citykloster“ Bielefeld gelegen.

Weitere katholische Einrichtungen befinden sich in der Nähe.

St. Jodokus und St. Pius
Am Klosterplatz 1 · 33602 Bielefeld
Tel.: (05 21) 61 326
www.stjodokus.de

Klosterkultur
Gottesdienste ja, katholischDas „Mittagsgebet“, Di.–Sa. 10 Minuten 12.20 Uhr ist ein Angebot des benachbarten „CityKloster“ im selben Gebäudekomplex
Führungen auf Anfrage
Veranstaltungen siehe Veranstaltungskalender von St. Jodokus:
Konzerte, Vorträge, Jugendarbeit, etc.
Klostertourismus
sehenswert Kirche, Kreuzgang, „Levitenstuhl“ im Chor, Schwarze Madonna, Schmerzensmann von Franz Guntermann, Skulptur „Gnadenstuhl“ von Nina Koch an der Südseite (Obernstraße)
direkte Parkmöglichkeit begrenzt
ÖPNV-Anbindung Bahn, Straßenbahn
Besichtigung ja
Lokale Besonderheiten Citylage, an die Fußgängerzone der Altstadt angebunden, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten in Bielefeld
1511 Weihe der Kirche
1829 Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation
2010/11 Umbau / Renovierung der Gesamtanlage

Die Jodokuskirche wurde am 18.7.1511 geweiht, doch liegen ihre Ursprünge weiter zurück. Auf dem Jostberg (Jost = Jodokus), einer Anhöhe zwischen Brackwede und Quelle, unterhielten die Franziskaner schon vorher ein Kloster und Hospiz mit einer dem Hl. Jodokus geweihten Wallfahrtskirche. In jüngster Zeit sind die Grundmauern dieser Anlage wieder freigelegt worden (Siehe Bildergalerie unten). Wegen der unwirtlichen Gegend und auch, weil ihre eigentliche Aufgabe die Seelsorge für die Stadtbevölkerung war, verlegten die Brüder Kloster und Kirche in die Stadt, an den heutigen Klosterplatz. Auch in der Zeit der Glaubensspaltung und der Säkularisation blieb das Kloster der katholischen Kirche erhalten. Die Franziskaner übernahmen die Seelsorge für die Katholiken im zumeist evangelisch gewordenen Ravensberger Land.

1829 wurde das Kloster durch eine preußische Kabinettsorder aufgehoben. Die Kirche wird seitdem von Weltpriestern betreut. Bei der Verlegung des Klosters in die Stadt wurde als Kirchenpatron St. Jodokus beibehalten. Jodokus lebte im 7. Jahrhundert. Er wird als Patron der Pilger und Reisenden verehrt. Sein Schrein befindet sich in St. Josse-sur-Mer in der Diözese Arras.

Die Ursprünge einer Jodokus-Klostergemeinschaft gehen auf ein 1480 erstmals urkundlich erwähntes kleines Pilgerhäuschen zurück, das als Verehrungsstätte für den Heiligen Jodokus (Schutzpatron der Pilger) diente.

In den Jahren zwischen 1483 und 1490 entstand eine dem Jodokus und der heiligen Maria geweihte Kapelle. Acht Jahre nach Fertigstellung der Kapelle (1498), ließen sich dort Franziskanerobservanten nieder, die die Kapelle und die Betreuung des Jodokuskultes übernahmen.

Im Gegensatz zu anderen Konventen haben die Bielefelder Ordensbrüder die Reformation unbeschadet überdauert. Als die beiden Pfarrkirchen der Stadt endgültig evangelisch geworden waren, übernahmen die Franziskaner die Seelsorge für die Katholiken, und das Kloster entwickelte sich zu einem Zentrum katholischer Spiritualität und Seelsorge im Bielefeld-Ravensburger Raum. Auch im 17. und 18. Jahrhundert überdauerte der Konvent die Säkularisation unbeschadet.

Jostbergkapelle

Die sogenannte Jostbergkapelle war eine Klosterkirche von fast 27 Metern Länge und gut 9 Metern Breite, mit polygonalem Chor, separaten Eingängen für Mönche und Gläubige sowie Seitenkapelle im westl. Teil. Die spätgotische Klosterkirche ist in Grundmauern in einer Höhe bis zu einem Meter erhalten (Ruine).

1502 stellten die Mönche ihr Wirken an dieser Stelle ein und begannen stattdessen mit dem Bau einer Kirche und eines Klosters am höchsten Punkt der Passstraße von Bielefeld nach Halle: der heutigen Grabungsstelle „Jostberg-Kapelle“(‚Jost‘ ist im Volksmund die Kurzform für „Jodokus“). Schlechte Witterungsbedingungen und die Abgeschiedenheit der Anlage veranlassten die Ordensbrüder jedoch schon im Jahr 1507 nach Genehmigung durch Papst Juius II. das Kloster in die Bielefelder Altstadt zu verlegen. Dort wurde 1511 mit dem Bau der St. Jodokuskirche und eines Klosters begonnen. 1515, nach Fertigstellung aller wichtigen Gebäude, wurde der gesamte Komplex eingeweiht, wobei die Kirche auf dem Jostberg bestehen bleiben sollte. Gerichtsakten aus der Zeit dokumentieren jedoch, dass bereits in den nachfolgenden Jahren Teile des Gebäudes abgetragen wurden.

In den Jahren 1993/94 wurden die Grundmauern der Anlage auf dem Jostberg freigelegt. 2009 hat der „Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg“ die Ausgrabung der Ruinen und deren teilweise Restaurierung abgeschlossen.

Klosterschule

Die Geschichte der Klosterschule beginnt im Jahr 1541. Zu diesem Zeitpunkt wurde die schon bestehende Elemantarschule der Stiftskirche St. Marien, die durch die Auswirkungen der Reformation ihre katholische Ausprägung verloren hatte, der Jodokus-Klostergemeinschaft (vgl. St. Jodokus-Kirche und Jostbergkloster) zugesprochen. Die Schule, die nur Jungen aufnahm, wurde in einem der Klostergebäude untergebracht und von Franziskaner-Patres geleitet. Ab 1727 konnten auch Mädchen am Unterricht teilnehmen. Mit der Aufhebung des Franziskanerklosters 1829 wurde die Klosterschule zur Pfarrschule (kath. Gemeindeschule). Statt Mönchen unterrichteten nun weltliche Lehrer. 1891 übernahm die Stadt Bielefeld die Schule als eine von sieben katholischen Bürgerschulen. Heute ist die Klosterschule die einzige katholische Grundschule Bielefelds.

Quellen:

St. Jodokus am Klosterplatz und Klosterschule
Ruine des ehem. Franziskanerklosters auf dem Jostberg, Bielefeld